Freinet-Pädagogik in Kitas
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Neue Rezension

Nicole Wilhelm: Miteinander leben. Für eine Familienkultur des Miteinanders. Mathias Voelchert GmbH Verlag, Windberg, edition + plus 2019.

NicoleWilhelmCover

Ein wahrhaft außergewöhnliches Buch! „Die Gehorsamskultur ist zu Ende“, schreibt Nicole Wilhelm gleich am Anfang ihres Buches. Und obwohl sie meint, in unserer Gesellschaft fände „gerade eine tiefgehende Veränderung statt: ein Paradigmenwechsel vom Gehorsam zum Verantwortungsbewusstsein“, führt sie uns an Dutzenden von Beispielen vor Augen, wie tief wir alle noch von der überkommenen Gehorsamskultur geprägt sind. Mir gingen beim Lesen viele, viele Male die Augen auf: Siehst du, so machst du es immer noch, obwohl du das gar nicht willst. Was so schwierig ist: die Gehorsamsforderung vollständig loszulassen, und damit sind auch die unzähligen heimlichen Erwartungen gemeint, die wir Kindern gegenüber entwickeln.

Beim Lesen kam es mir so vor, als stolpere ich von einem zum nächsten Aha-Erlebnis. Nicole Wilhelm hat eine unglaublich klare Sprache, an keiner einzigen Stelle anklagend, besserwisserisch, oberlehrerhaft. Ich gehöre schon sehr lange zur Fangemeinschaft von Jesper Juul, es hätte also sein können, dass Nicole Wilhelms Buch, das in der Schriftenreihe von familylab erschienen ist, nicht sehr viel Neues für mich bietet. Aber weit gefehlt! Nicht nur, dass sie vieles, was auch Jesper Juul schreibt, gedanklich klarer und sprachlich genauer formuliert. Sie schafft es auch dort eine überzeugende Systematik anzubieten, wo Jesper Juul gerne mäandert.

Absolut verständlich, nachvollziehbar, praxisnah und wertschätzend erklärt sie, was z.B. Gleichwürdigkeit oder persönliche Verantwortung bedeuten, wie Kinder und Erwachsene unbeschädigt durch Konflikte kommen oder weshalb Kinder niemals „verkehrt gemacht“ werden dürfen. Ganz nebenbei entwickelt sie ein Menschenbild, das, ähnlich wie bei Jesper Juul, die Beziehung zwischen Erwachsenen und Kindern revolutioniert. „Kinder brauchen und wollen auch heute noch unsere Führung. Neu ist, dass sie unsere Führung nur noch dann akzeptieren, wenn sie dabei gleichzeitig auch sich selbst treu bleiben können“, schreibt sie.

Dass Sie die Forderung nach Gleichwürdigkeit, also danach, dass die Bedürfnisse, Wünsche und Anschauungen aller Menschen und damit auch die von Kindern denselben Wert bekommen, ernst nimmt, macht sie deutlich, indem sie uns vorführt, wie sich Erwachsene auch verhalten könnten: „Eine Mutter sagt zu ihrer siebenjährigen Tochter: ‚Ich will, dass du dir deine Haare wäschst.’ ‚Mach ich aber nicht.’ ‚Okay.’ Wütend stapft die Tochter durchs Haus, und die Mutter fragt: ‚Warum bist du wütend?’ ‚Weil du willst, dass ich Haare wasche, aber ich will das nicht.’ ‚Und jetzt musst du entscheiden, was du machst. Das, was ich will oder das, was du willst.’ ‚Ja, und wenn ich sie nicht wasche, dann bist du auch nicht zufrieden.’ ‚Das stimmt. Also musst du entscheiden, ob du es dir recht machst oder mir.’ Die Mutter umarmt ihre Tochter. ‚Ja, das ist nicht so einfach. Egal, wie du dich entscheidest. Ich hab’ dich lieb.’“

Wer das Buch einmal angefangen hat, wird es nicht mehr weglegen wollen, und auch nach der Lektüre beschäftigt es einen noch sehr lange!

Lothar Klein

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